Ein Interview

Was erwartest Du von der Sanierung eines historischen Bauernhauses? Welche Schritte sind bislang erfolgt?

Grundsätzlich Bauen im Bestand, Umnutzung, Instandhaltung und Sanierung sind mithin die nachhaltigsten Schritte die wir beim Schaffen von Raum einschlagen können, alles Räumliche und Strukturelle ist vorhanden und es bedarf keiner zusätzlichen Energie (im wahren Wortsinn) um diese zu nutzen. Alle Beschäftigung mit dem Anspruch etwas klimaneutraler zu bauen, muss daher zunächst in den Fragen münden:

Brauchen wir das wirklich neu?

Können wir nicht etwas vorhandenes Nutzen?

Wie kann das mit geringstem Aufwand und unter Achtung des Vorgefundenen geschehen?

Mit der Beantwortung dieser Fragen sollte die erste Prüfung eines jeden Bauvorhabens beginnen. Planer die diese Fragen im Bewusstsein haben, Auftraggeber die sich die Beschäftigung mit diesen Fragen zumuten, schaffen es entscheidende Weichen für kleine Verbesserungen zu stellen.

Im Besonderen Das vorgefundene Haus war zunächst für uns alle eine riesengroße Überraschung. Alles war komplett wie aus einer anderen Zeit: der große grüne Ofen, die Wandverkleidungen aus Holz, die Wandoberflächen mit ihren floralen Walzmustern, Möblierung, das noch vorhandene Geschirr, die Elektroinstallation und ganz besonders zwei bleiverglaste Fenster mit kleinen Schiebeflügeln eingebaut im 18 Jhdt. An Hand alter Kalender lässt sich vermuten, dass zum letzten Mal ca. 1972 jemand im Haus gewohnt hat. In der Folge fanden verschiedene Begehungen mit „Fachleuten“ statt, Restauratoren, Zimmerer, Kamin- und Ofenbauer, Fensterbauer und mehr. Allen gemeinsam war: sie erkannten, dass es sich um ein einzigartiges Objekt handelt. Jeder fand ein Element am Haus für das er sich begeistern konnte, ein Türschloss, die alten Böden, eine voll ausgestattete Werkstatt. Aus technischer Sicht stellten wir gemeinsam fest, dass das Haus in einem außerordentlich guten Zustand war. Durch kluge Maßnahmen der ehemaligen Besitzer war ständig eine gute Belüftung aller Räume gewährleistet. Wir konnten keine Feuchtigkeit und keinen Schädlings-, sowie nur sehr geringen Pilzbefall im Keller feststellen.

Der Entschluss All das zusammen hat am Ende dazu geführt: Ich war mir sicher, das Projekt will ich machen und es wird gelingen.

Flora‘s Haus im Winter
Flora‘s Haus im Winter

Warum engagierst Du Dich an diesem Ort?

Grundsätzlich Jedes Projekt beginnt mit einem Ort. Und jeder Ort ist einzigartig. Diese Einzigartigkeit ist eine Konstante. Ich möchte eine Aufgabe spüren.

Als Architekt untersuche ich die Projekte wie »Tatorte«, erforsche Geschichte, versetzen mich in die Gedankenwelten der Handelnden. Ich suche die Intensität der Eindrücke, bilde mir so eine Haltung heraus – eine Haltung zur Aufgabe, geprägt von der Aufgabe selbst. Ich stülpe sie nicht über das Projekt, sie entsteht aus diesem heraus. Ich lasse mich auf das Projekt ein, entwickle eine enge, ja persönliche Beziehung.

So entstehen nicht nur Räume, sondern Orte.

Orte, die spezifisch, einzigartig und – vor allem – angemessen sind. Orte, die nur dort sein können, wo sie eben sind. Die überzeugen, weil sie sowohl besonders als auch selbstverständlich sind.

Im Besonderen Der Ort selbst, die Lage am ehemaligen Dorfplatz in Schattwald verfügt über eine lange Geschichte. Früher befand sich auf dem Dorfplatz neben Kastanienbäumen und dem Dorfbrunnen ein „Salettl“. Man kann sich vorstellen, was dort los war; wer vom Trubel genug hatte ging in Nachbarsgarten, wo man unter Apfelbäumen Ruhe finden konnte.

Die Sehnsucht Als ich vor 20 Jahren zum ersten Mal in der alten Wirtshausstube der Post saß habe ich es gespürt: es gibt sie, eine Kraft alter Orte. Einer Sehnsucht folgend bin ich in den Jahren danach wieder gekommen. Das alte Haus stand schon immer nebenan. Andere Häuser sind in den letzten 20 Jahren „verschwunden“ oder haben sich verändert. Floras Haus – wie wir es nun nennen – hat in Ruhe gewartet bis wir es entdecken. Ich spüre im Haus und auf dem Grundstück, dass es die Möglichkeit gibt die beruflich erworbenen Fähigkeiten mit dem Wunsch auf eine bestimmte Art und Weise zu Leben zu verbinden.

Wie möchtest Du dieses Haus, diesen Ort nutzen?

Das Haus Das Haus soll leben, einer der wichtigsten Schritte etwas zu erhalten ist seine Funktion zu gewährleisten. Ich möchte am Haus selbst so wenig wie möglich verändern, sobald wir etwas verändern erzählt das Haus, der Ort durch diese Veränderung verursacht eine andere Geschichte. Darüber muss ich mir bewusst sein. Alles was notwendig ist um im Haus wohnen zu können wird als nächstes erfolgen müssen. Wir brauchen Strom und Wasser, wollen den alten Ofen nutzen, dazu brauchts Kamine, die Fenster werden in Stand gesetzt, sodass diese dicht sind. Die alten Holzbauten waren verschindelt oder verputzt, nur so waren die Bewohner gegen Zugluft geschützt. Das Haus soll an Menschen vermietet werden, die erleben möchten, wie man früher gewohnt hat und wie der Tagesablauf in einem solchen Haus war. Das WOHNEN selbst wird zum Zweck des Aufenthaltes. Es bietet bestimmt genug Gesprächsstoff.

Der Ort Der Ort soll leben. Zusammen mit dem Alpengasthof Post bildet sich mit dem neugestalteten Garten und seinen Obstbäumen zwanglos eine neue zusammengehörende Raumfolge. Von der Außengastronomie des Gasthofes mit dem neu gestalteten (Park) Platz, einer optimierten Führung der Straße ergibt sich ein nun komplettes Ensemble, in dem sich die Suche nach einem authentischen Ort mit der Möglichkeit Ruhe zu finden verbindet.

Geschichte(n) erzählen Ich habe vor viel Zeit an diesem Ort zu verbringen, ich weiß er wird mir gefallen. Was ist meine Rolle dort? Aufmerksam habe ich alles verfolgt, das Gebäude analysiert und geplant. Die Geschichte der Umsetzung des Projektes ist ein Teil des Aufenthaltserlebnisses. Die Nutzung des Hauses und seiner Teile bedarf einer Erklärung: wie funktionieren die kleinen Schiebefenster, wie wird der große Ofen angeheizt, welche Gerichte lassen sich auf dem alten Herd zubereiten und vieles mehr. Der Hausmeister als Geschichtenerzähler. Und wenn mal keiner zuhören will: es gibt noch einiges zu tun am Haus oder im Garten.

Was ist für Dich wichtig: Innovation oder Tradition?

Verbindung Das Projekt bietet die Möglichkeit einer gedanklichen Verbindung von Tradition und Innovation. Die kluge Planung des bestehenden Gebäudes ist mir Vorbild. Alle Planung neuer (Ein)Bauten oder die neue Gestaltung des Gartenbereiches und des Apartmenthauses folgen diesem Vorbild. Das erhaltene Vorhandene dient als Anleitung und Inspiration. Alles was neu errichtet wird muss ebenso intelligent und ebenso innovativ sein wie es im 200 Jahre alten Vorbild zu erkennen ist. Innovation ist kein Selbstzweck den wir uns eitel und selbstgefällig auf die Fahnen schreiben. Ebenso liegt es uns fern, die Beschwernisse und Aufwendungen des damaligen Alltags in Floras Haus zu beschönigen. Das Spannungsfeld zwischen Komfort auf Knopfdruck und der Aufwendung das Feuer im Ofen zu erhalten wird bewusst erlebbar.

Mit welchen Problemen rechnest Du?

Lösung Grundsätzlich basiert für mich jegliche Planung auf der Vorarbeit der Ermittlung genauer Grundlagen. Damit vermeide ich die größten Überraschungen. Auf den ersten Blick erscheint dies bei Bestandsgebäuden etwas aufwändiger zu sein. In der Zusammenarbeit mit den geeigneten Fachleuten gelingt dies jedoch. Der Kreis der an der Planung fachlich Beteiligter vergrößert sich dadurch, dies bleibt die gesamte Laufzeit eines Projektes so. Das schadet nicht und ermöglicht es jeder Zeit kurzfristig und flexibel zu reagieren. Um etwa auftretende Überraschungen zu kompensieren ist das Projekt der Sanierung in einzelne voneinander unabhängige Phasen unterteilt. Dadurch können wir eine „Pause“ einlegen um nach neuen Wegen und alternativen Lösungen zu suchen.

Das Tannheimer Tal ist eine besondere Region, ein einzigartiger Landschafts- oder auch Naturraum. Was erwartest Du für eine Wirkung des Projektes auf das „Ganze“?

Vorbild Eine gute Lösung ist die beste Werbung. Bauen für touristische Zwecke folgt zwangsläufig modischen Strömungen. Ich suche eine Lösung der architektonischen Aufgaben die sich immer aus der Aufgabe heraus entwickelt. Flexible und anpassbare Projekte entwickeln zu können, denen man nicht ansieht, dass diese die Handschrift eines Architekten, Gestalters oder Designers tragen, sondern durch individuelle Anpassung in der Lage sind auf die vorgefundene Gestaltungshaltung des Bestandes und des Umfeldes zu reagieren. Dies ist bei unserem Projekt eine große Chance. Hierzu benötigt man Disziplin und Einfühlungsvermögen. Ich verspreche mir, dass das Projekt den daran Beteiligten diese Kraft geben kann. Ebenso ist es möglich Andere zu inspirieren und anzuregen. Hierzu ist ein Meinungs- und Gedankenaustausch erforderlich. Ich berichte regelmäßig an dieser Stelle vom aktuellen Stand des Vorhabens in einem Blog. Vor Ort seid Ihr alle eingeladen Euch ein Bild zu machen. Ich werde mir Zeit nehmen, zu führen und zu erläutern und Anregungen für Eure eigenen Projekte zu geben. Nehmt mich beim Wort.

Wer ist an diesem Projekt beteiligt?

Team Wir sind ein Team aus Touristiker, Softwareunternehmer und Architekt. Wichtig ist für mich die Sichtweise fachfremder Meinungen und andere Bereiche zu integrieren.  

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